Die Ästhetik der Fassade

Die Ästhetik der Fassade

Schönheit ist keine stabile Größe, sie entzieht sich simplen Definitionen und ist nicht auf einfache Art messbar. Und so gibt es auf die Frage: „Was ist schön?” entweder keine oder unzählig viele Antworten. Was macht also die Schönheit eines Gebäudes aus? Nietzsche sagte hierzu: „Wir verstehen im allgemeinen Architektur nicht mehr“ und „Wir sind aus der Symbolik der Linien und Figuren herausgewachsen. […] An einem griechischen oder christlichen Gebäude bedeutete ursprünglich alles etwas, und zwar in Hinsicht auf eine höhere Ordnung der Dinge: Diese Stimmung einer unerschöpflichen Bedeutsamkeit, lag um das Gebäude, gleich einem zauberhaften Schleier.”

Für die Serie DIE ÄSTHETIK DER FASSADE bereiste und fotografierte ich verschiedene Städte in Europa. Ich richtete meinen Blick auf bestimmte Details der Häuserfassaden und architektonische Besonderheiten. Zu sehen sind Objekte, welche das Stadtbild prägen, oft aber dem Auge des Betrachters verborgen bleiben.

Post Sovieticus No. 37

Post Sovieticus

Die Ästhetik der Architektur war in den sowietisch geprägten Systemen eines von mehreren Medien, durch welche die Idee einer radikal neuen Gesellschaftsform und damit einer neuen Zeit zu den Massen gebracht werden sollte. Der unbedingte Glaube an eine strahlende Zukunft und der Ausdruck von Macht waren die Ecksteine, nicht nur für die Gebäude, sondern auch für die angestrebte Formung eines neuen Menschen. Der Beginn einer neuen Ära der Geschichte manifestierte sich in allen Aspekten des Lebens und so folgten auch die Architekten diesem Dogma. Das ideale, kommunistische Gebäude war modern, praktisch und imposant.
Wie lebt man heute in Gebäuden, deren Ästhetik eine Ausdrucksform von gewalttätigen, diktatorischen Regimen war und wie denken die Menschen in jenen Ländern über ihre eigene Vergangenheit, welche ebenfalls in diesem Geist beeinflusst wurde?  Mit diesen Fragen sehen sich die post sowietischen Gesellschaften heute konfrontiert; überschrieben durch den Gedanken:„Wir alle haben eine Vergangenheit, aber haben wir auch eine Zukunft“?
Für die Architektur gilt hierbei auch die grundsätzliche Frage, ob sie überhaupt eine nach objektiven Kriterien geltende Existenzberechtigung hat oder ob die ihnen heute zuteilwerdende Geringschätzung einzig auf den Prinzipien ihrer einstigen Erbauer beruht. Ist es uns bereits gelungen, uns von dem Symbolismus der Linien und Formen zu emanzipieren und nur das Gebäude für sich selbst und nicht das ihm zugrundeliegende Ideal zu sehen?

Die Ästhetic des Totalitarismus

Die Ästhetik des Totalitarismus

Die Architektur gehört zu den beständigsten Zeugnissen unserer Kultur. Sie gestaltet das Milieu, in dem wir zu bestimmter Zeit und am bestimmten Ort leben und dessen Nutzer wir tagtäglich sind. Ihre besondere Rolle im Leben jeder Gesellschaft ist die Ursache dafür, daß eben die Architektur den attraktivsten sämtlicher Kunstbereiche für jede Art der Herrschaft darstellt. Und für den Totalitarismus trifft es am allermeisten zu.

Mit Hilfe der Architektur kann die Bevölkerung manipuliert, die sozialen Bindungen geschaffen oder zerstört, sämtliche Erscheinungen individuellen Denkens können entwickelt bzw. niedergedrückt werden. Mittels Architektur kann man Antagonismen zwischen sozialen Gruppen schaffen, Menschen von der Macht abhängig machen, die Macht legitimieren und schließlich in der Erinnerung der Bevölkerung das Bild des Herrschers oder die Zeit dessen Machtausübung verfestigen.